Die Bürgerinitiative St. Anna, lehnen das geplante Bauvorhaben der ABID Firmengruppe auf dem bisherigen Parkplatz des Stiftungsgeländes St. Anna in Hadamar in der vorliegenden Form ab.
Unsere Gründe sind wie folgt:
Standortwahl und fehlende alternative Fahrwege
Für dieses Gelände gibt es nach unserer Auffassung keine praktikablen alternativen Fahr‑ oder Umleitungsrouten für Schwerlast‑ und Baustellenverkehr. Das macht den Standort für ein derartiges Vorhaben ungeeignet, weil die Belastungen zwangsläufig durch die engen Wohnstraßen erfolgen würden.
Bauverkehr und Gefährdung von Kindern
Die mindestens zweijährige Bauphase bringt erheblichen Schwerlastverkehr mit sich. Der starke LKW‑ und Baufahrzeugverkehr in den engen Altstadtgassen ist insbesondere in unmittelbarer Nähe von Kinderkrippe, Kindertagesstätte und Grundschule eine erhebliche Gefährdung für Kinder und beeinträchtigt Familien massiv.
Verlust von Parkplätzen und Verkehrsbelastung
Durch den Bau verschwinden die bisherigen Parkflächen. Die geplante Tiefgarage schafft nach den bislang vorgestellten Planungen nur einen geringen Zuwachs an öffentlich nutzbaren Stellplätzen. Dabei ist jedoch davon auszugehen, dass während der mindestens zweijährigen Bauphase zusätzliche Parkflächen im öffentlichen Raum in Anspruch genommen werden müssen. Effektiv stünden in dem Fall damit in der Bauphase deutlich weniger Parkplätze für Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitende und Besucherinnen und Besucher bereit. Zusätzlich zu Parksuchverkehren ist für diesen Zeitraum mit Ausweichparkungen in weiter entfernten Wohnstraßen zu rechnen. Das wird die Wohn‑ und Verkehrssituation für Anwohnerinnen und Anwohner erheblich verschlechtern.
Gefahr für Rettungs‑ und Anlieferverkehre
Durch die veränderte Erschließung und die Verlagerung von Parkplätzen drohen Behinderungen für Rettungsfahrzeuge, Anlieferer und Pflegedienste in den engen Gassen rund um St. Anna. Die Sicherheit der Menschen darf dadurch nicht gefährdet werden.
Negative Folgen für bestehende Nutzerinnen und Nutzer des St. Anna‑Gebäudes
Es besteht die Gefahr, dass die aktuell im St. Anna‑Gebäude tätigen Leistungsanbieterinnen und ‑anbieter (Arztpraxen, Hebammen, Altenpflegeschule, orthopädischer Schuhmacher u. a.) während der mindestens zweijährigen Bauphase aufgrund wegfallender Parkmöglichkeiten und eingeschränkter Erreichbarkeit wirtschaftlich unter Druck geraten könnten. Kunden und Patientinnen/Patienten könnten während der Bauphase ausbleiben, wodurch sich die Gesundheitsversorgung am Standort Hadamar gravierend verschlechtert. Es besteht die Sorge, dass sich die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Standorts für die Stiftung weiter verschlechtern könnte.
Infrastrukturbelastung
Nicht nur die Straßen, sondern auch die vorhandene Kanalisation und weitere Infrastruktureinrichtungen sind langfristig erhöhten Belastungen durch Baustellenverkehr und Bauarbeiten ausgesetzt. Dies könnte zu weiteren Belastungen und Folgekosten für die Stadt und die Anwohnerinnen und Anwohner führen.
Darstellung
Die Darstellung des Projekts wird in der öffentlichen Wahrnehmung häufig als Pflegeheim verstanden. Tatsächlich handelt es sich nach den vorliegenden Informationen überwiegend um seniorengerechte Wohnungen, betreutes Wohnen und eine Tagespflege, nicht um eine vollstationäre Pflegeeinrichtung, die einer Heimaufsicht und strengeren regulativen Anforderungen unterliegen würde. Eine klare Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit ist notwendig.
Personalsituation
Pflegefachkräfte sind knapp. Es ist nicht ersichtlich, wie das neue Projekt qualifiziertes Personal zusätzlich gewinnen will, ohne Fachkräfte aus bestehenden Einrichtungen abzuziehen. Es besteht das Risiko, dass Personal vom bereits vorhandenen Altenheim oder anderen Angeboten abgeworben wird, wodurch die Versorgung vor Ort insgesamt geschwächt würde.
Bekanntgabe des Grundstücksverkaufs
Die Darstellung auf der Homepage der Stadt Hadamar erweckt den Eindruck eines bereits abgeschlosseneren Verkaufs, obwohl dieser nach Information der Bürgerinitiative von der Erteilung einer Baugenehmigung abhängt. Die vorzeitige Veröffentlichung dieser Information wirft Fragen hinsichtlich Transparenz und Vertrauen bei der Bürgerschaft auf.
Öffentliches Interesse und Alternativen
Ein derart prägender Eingriff in das Ortsbild und die Verkehrssituation verlangt eine ernsthafte Abwägung alternativer Standorte, kompakterer Bauweisen, klarer Betreiberkonzepte sowie Lösungen zur Sicherung öffentlicher Park‑ und Rettungsflächen. Ein bloßer Verkauf des Stiftungsgeländes ohne breite Bürgerbeteiligung ist nicht akzeptabel.
Daher fordern wir:
- Stopp der laufenden Planungen und der Umsetzung bis zu einer umfassenden, transparenten Prüfung aller Auswirkungen.
- Offenlegung aller vertraglichen Vereinbarungen zwischen St. Anna‑Stiftung und der ABID Firmengruppe sowie aller Planunterlagen und Verkehrsgutachten.
- Richtigstellung auf der städtischen Homepage: Korrekte Information zur Vertragslage und eindeutige Kennzeichnung, dass ein Verkauf von der Erteilung einer Baugenehmigung abhängig ist; verbindliche Zusicherung transparenter Kommunikation.
- Durchführung einer unabhängigen Verkehrsuntersuchung, die die Auswirkung auf Parkraum, Anlieferung, Rettungswege, Baustellenverkehr und Verkehrsaufkommen realistisch abbildet; Nachweis praktikabler Ausweich‑ und Umleitungsrouten für Schwerlastverkehr.
- Sicherstellung, dass Rettungs‑ und Anlieferwege in jedem Fall uneingeschränkt bleiben.
- Prüfung und Priorisierung eines Ausbaus oder einer Modernisierung des bereits bestehenden, sehr guten Altenheims in Hadamar als ernsthafte Alternative; Vorlage von Variantenrechnungen (Kosten, Bettenzahlen, Personalbedarf, Verkehrsauswirkungen).
- Erstellung eines belastbaren Personalkonzepts: Darstellung, wie das neue Projekt qualifiziertes Personal zusätzlich gewinnen will, ohne bestehende Einrichtungen zu schwächen; verbindliche Zusagen zur Personalgewinnung und ‑bindung.
- Maßnahmen zur Sicherung der bestehenden Gesundheitsversorgung am Standort während Planung und Bauphase, z. B. temporäre Ausweichparkplätze, finanzielle Unterstützung für Praxisbetreiberinnen und ‑betreiber sowie klare Zusagen zum Erhalt medizinischer Angebote.
- Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Gefährdungen für Kinder und Betreuungseinrichtungen während der Bauphase (z. B. LKW‑Routen fern von Kinderinstitutionen, zeitliche Beschränkungen für Schwerlastverkehr, sichere Schulwege).
- Prüfung der Tragfähigkeit der örtlichen Infrastruktur (Straßen, Kanalisation) und verbindliche Sanierungs‑ bzw. Verstärkungsauflagen für die Bauherrschaft.
- Einberufung einer öffentlichen Bürgerversammlung und ein echtes Beteiligungsverfahren, in dem Nachbarinnen und Nachbarn, Nutzerinnen und Nutzer der Gesundheitsangebote, Eltern und Beschäftigte ihre Bedenken vorbringen können.
- Klare, wahrheitsgemäße Kennzeichnung des Projekts: Transparente Benennung der Nutzungsarten (Betreutes Wohnen, Tagespflege vs. vollstationäre Pflegeeinrichtung) und der damit verbundenen rechtlichen, sozialen und pflegerischen Konsequenzen.
